Er kommt aus dem Emmental und lebt heute in Schöftland im Aargau. Er war Möbelschreiner, dann Lehrer und wurde Liedermacher. Tinu Heiniger ist nicht nur der Doyen der Mundartszene, er ist der wohl beste Liederschreiber der Schweiz.

In den Siebzigerjahren in einem Umfeld des Protestsongs sozialisiert, war er schon damals in einer Zunft der liedernden Aktivisten unter singenden Dichtern der dichtende Sänger: mit sehr viel mehr Musikalität begabt als die meisten Kollegen. Er fängt mit altmodischem Emmentalerdeutsch die volatile Jetztzeit ein, seine Kunst ist zeitlos. Auch in der Poesie bleibt er politisch, und auch wenn er Privates schildert, schwingt das gesellschaftliche Ganze mit. Und wenn Jugendlichkeit denn Offenheit und Neugierde bedeutet, ist Tinu Heiniger so viel jünger als die Jungkünstler seines Landes.

 

Schweiz als Heimat
Die Schweiz bezeichnet der aus dem Emmental stammende Heiniger vorbehaltlos und unbedingt als seine Heimat. Gerade weil er sie liebe, begegne er der Schweiz auch skeptisch, überprüfend, hinterfragend. Dieser kritischen Haltung kann man auf dem neuen Album wiederholt begegnen, so in den Liedern «Grossstadt» und «Irgendmau, irgendwo». In Letzterem heisst es: «Bi Schwitzerbürger, dür u dür». Neben der Verbundenheit mit «däm schöne Ämmitau» thematisiert das Lied die Enge des Herkunftsdorfes ebenso wie Schattenseiten der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Und es vergisst nicht, nach denjenigen zu fragen, welche ohne Pass, ohne ein rechtes Daheim, sein müssen. Am Schluss des Liedes steht der Ausblick in eine andere Zeit, eine andere Welt, in die man nach dem Tode zieht: «Ds Heimatland – s’ isch änedra».
Neben den alten schwarz-weiss Fotografien aus Heinigers Familienalbum enthält das Booklet eine Skizze des «über alles geliebten Ferdinand Hodler». Heiniger bewundert Hodler für dessen Eigenschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen und dafür, dass der Maler selbst beim Erschütterndsten, dem Sterben seiner krebskranken Geliebten, Valentine Gode-Darel, nicht weggeschaut hatte. Heiniger betont Hodlers Fähigkeit, Tiefen zu erreichen. Diese Tiefen sind auch in Heinigers Musik spürbar und in seiner Auseinandersetzung mit den Wurzeln, aus denen sein Leben und seine Lieder gewachsen sind.


Hören Sie ihm zu.