Kaspar Zehnder, der künstlerische Leiter von klangantrisch, gewährt einen Einblick in die Entstehung von Crossover-Konzerten.

«Musikalität kennt keine stilistischen Grenzen», sagt Kaspar Zehnder. Dieses Credo passt zum Festival klangantrisch. Denn hier kreuzen sich jedes Jahr die Wege von Musikerinnen und Musikern verschiedenster Stilrichtungen. Gemeinsam lassen sie auf der Bühne Pop und Klassik verschmelzen. Etwas Neues, nie Dagewesenes entsteht.

Damit eine Idee zu solch unüblichen Konzertkonstellationen überhaupt entsteht, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. «Die Inspiration holt man sich jeweils im anderen Segment, also in meinem Fall im nicht-klassischen Bereich», verrät Kaspar Zehnder. Die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler trifft die künstlerische Leitung, im Fall von klangantrisch also Kaspar Zehnder. Er achtet bei seiner Auswahl auf verschiedene Eigenschaften der Musikerinnen und Musiker. «Sie müssen prinzipiell offen sein, um mit Leuten zusammenzuarbeiten, die musikalisch von einem anderen Planeten kommen», meint er. Denn bei Crossover-Konzerten treffen verschiedene Arbeitsweisen aufeinander. Die einen lesen Noten, die anderen nicht. Die einen improvisieren, die anderen nicht.

Das Herzstück des Projekts

Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler spielen oft alte Bekanntschaften eine wichtige Rolle. So stellte etwa Shirley Grimes, die im vergangenen Jahr beim Festival klangatrisch auftrat, den Kontakt zu den diesjährigen Headlinern Sina und Jaël her. Entscheidend für den Erfolg eines Crossover-Konzerts ist aber nicht nur die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler, sondern auch der Arrangeur. Er erstellt das Arrangement. «Dazu muss er in verschiedenen Stilen zu Hause sein. Er ist das Herzstück des Projekts. Von ihm hängt das gute Gelingen eines Crossover-Konzerts am meisten ab», weiss Kaspar Zehnder.

Viel Zeit zum gemeinsamen Üben bleibt bei einem Crossover-Konzert nicht. Zwar ziehen sich die Absprachen zwischen Dirigent, Arrangeur und den Solisten über mehrere Monate hin. Doch die Musikerinnen und Musiker üben selbständig und treffen sich erst wenige Tage vor dem Konzert zum erstmaligen gemeinsamen Proben. «Den Nicht-Klassikern fehlt im Orchester oft ein bisschen der Beat. Die Klassiker haben manchmal Mühe, sich in den verschiedenen Loops und Strophen eines Songs zurechtzufinden», meint Kaspar Zehnder. Und worin liegen die Herausforderungen für ihn? «Für mich ist die grösste Gefahr, dass ich über die vielen Kabel stolpere», sagt er schmunzelnd.

Blick hinter die Kulissen

Crossover-Konzerte erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. «Das Publikum spürt, dass etwas Neues ausprobiert wird. Es wird Teil einer gerade entstehenden Kreation, es kann mehr als bei einer perfekt gestylten und mehrmals durchgeführten Show ein bisschen hinter die Kulissen sehen – das ist sehr spannend», erklärt Kaspar Zehnder den Erfolg von Crossover-Konzerten. Im Fall von klangantrisch sei zudem die Nähe zwischen Publikum und Bühne ein entscheidender Faktor: «Alles wird greifbar und fühlbar.»

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